15 FRAGEN UND ANTWORTEN

 

Welche Kinder werden aufgenommen?


Steiner Schulen stehen grundsätzlich allen Kindern und Jugendlichen offen, die in der Lage sind, eine Regelklasse zu besuchen, unabhängig von der weltanschaulich-religiösen oder politischen Haltung und der wirtschaftlichen Situation der Eltern.

Nach ausführlichen Informationen findet ein Aufnahmegespräch statt. Ältere Schüler/innen können auch direkt in höhere Klassen einsteigen.


Ist es nicht so, dass hauptsächlich Kinder mit Lernschwierigkeiten auf eine Steiner Schule gehen?

 

Nein! Für Kinder, die besondere Teilleistungsschwächen oder Verhaltensauffälligkeiten haben, gibt es spezifische Kleinklassen- und Sonderschulangebote auf der Basis der Steiner-Pädagogik. Für entsprechende Angebote wenden Sie sich an:
 

Worin unterscheiden sich Steiner Schulen überhaupt von anderen Schulen?


Die Steiner Schulen stellen das Kind ins Zentrum und orientieren ihren Lehrplan konsequent an seiner Entwicklung. Sie unterrichten Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichen Begabungen wie an den staatlichen Regelschulen auch, nur dass hier neben intellektuellen Fähigkeiten gleichgewichtig auch soziale,  künstlerische und handwerkliche  Fähigkeiten angesprochen werden. Schlüsselqualifikationen wie Teamfähigkeit, Kreativität und die Fähigkeit, prozessual zu denken, können sich so vom ersten Schultag an entwickeln.


Ist die Steiner Schule teuer?


Die staatliche Subventionierung von Steiner Schulen ist je nach Kanton unterschiedlich geregelt. Die Hauptverantwortung für die Finanzierung der Schule tragen die Eltern. Es ist ein Prinzip der Steiner Schulen, möglichst kein Kind aus finanziellen Gründen abzulehnen. Zur Verwaltung der Elternbeiträge besteht eine aus der Elternschaft gebildete Elternbeitragskommission. Der Elternbeitrag berücksichtigt die individuelle finanzielle Situation der Familie und wird in einem vertraulichen Gespräch mit Mitgliedern der Elternbeitragskommission  vereinbart.


Wie ist die Zusammenarbeit mit den Eltern an den Steiner Schulen gestaltet?


Engagierte Eltern und Lehrkräfte verstehen sich als gleichwertige Erziehungspartner. Die Eltern sind in den Entwicklungsprozess der Schule einbezogen und werden ernst genommen mit ihren Fragen und Anregungen. An den meisten Steiner Schulen gibt es dazu ein Elternforum oder einen Elternrat. In schwierigen Situationen können sich Eltern an ein Vertrauensgremium wenden, dem in der Regel Eltern, Lehrervertreter und Vorstandsmitglieder angehören. Regelmässig stattfindende Gespräche zwischen Eltern und Lehrkräften dienen der Standortbestimmung der Schüler/innen. In der Regel findet einmal pro Quartal ein Klassenelternabend statt.


Werden die Kinder an der Steiner Schule weltanschaulich unterrichtet?


Die Steiner Schule ist konfessionell neutral. Zunächst entscheiden die Eltern, welchen Religionsunterricht ihr Kind besucht, später entscheiden die Jugendlichen selbst. Rudolf Steiners geisteswissenschaftliche Erkenntnisse selbst sind zu keinem Zeitpunkt Gegenstand des Unterrichts.


Ist Steiner-Pädagogik nicht so etwas wie das Vorgaukeln einer heilen Welt? Kommen die Schüler später denn überhaupt mit der harten Realität zurecht?


Die Befragung von Absolventen der Rudolf Steiner Schulen in der Schweiz, die 2007 von D. Randoll und H. Barz als Kooperationsprojekt der Uni Düsseldorf und der Alanus Hochschule durchgeführt worden ist, widerlegt das Klischee, dass man in diesen Schulen zwar eine schöne Schulzeit hat, aber nicht «auf das Leben draussen» vorbereitet  wird. Die Studie belegt, dass die Steiner Schulen ihre Schüler/innen wirksam dabei unterstützen, ihrem Leben eine sinnvolle, befriedigende Ausrichtung zu geben und ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Ein Drittel der Befragten hat eine akademische Ausbildung absolviert – überdurchschnittlich viele. Unter den am häufigsten ergriffenen Berufen finden sich neben Ärzten, Ingenieuren und Geistes- und Naturwissenschaftlern auffallend viele Lehrer (18 Prozent) und  sozial ausgerichtete Berufe. 86 Prozent der Befragten sind der Ansicht, an der Steiner Schule sinnvolles und weiterführendes Wissen erworben zu haben.

Stimmt es, dass es an der Steiner Schule keine Noten und kein Sitzenbleiben gibt?

 

In der Unter- und Mittelstufe gibt es an Steiner Schulen keine Noten. Selbstverständlich korrigieren die Lehrer alle Schülerarbeiten, jedoch lassen sie es nicht bei dürren Noten bewenden, sondern formulieren individuelle Beurteilungen. In den Zeugnissen gehen die Lehrer ausführlich auf die Persönlichkeitsentwicklungen und auf die Lernfortschritte ihrer Schüler ein. Die Steiner-Pädagogik richtet sich nach den Entwicklungsphasen der Kinder und Jugendlichen. Deshalb ist nicht der Wissensstand alleine, sondern die Gesamtentwicklung entscheidend. Initiative entwickeln die Kinder und Jugendlichen nicht aufgrund von Leistungsdruck, sondern aus einer gesunden Motivation heraus. Von der ersten bis zur zwölften Klasse  bleiben die Schüler/innen nach Möglichkeit selbst dann in einer festen Klassengemeinschaft, wenn ihre Leistungen vorübergehend nachlassen. Niemand bleibt sitzen.


Sind Steiner Schulen antiautoritär?


Nein. Die Steiner Schulen bauen auf der Beziehungspädagogik auf. Die Lehrer/innen pflegen ein Verhältnis zu ihren Schüler/innen, das in der Unterstufe von "liebevoller Autorität" geprägt ist. Im Laufe der Schulzeit wandelt sich das Lehrer-Schüler Verhältnis mit der Entwicklung der Heranwachsenden. Kinder und Jugendliche suchen ihre Grenzen. Nur wenn sie ihre Grenzen von den Erwachsenen erfahren, fühlen sie sich einerseits sicher und erleben sich andererseits als eigene Persönlichkeiten.


Warum haben die Kinder in den ersten Schuljahren den gleichen Lehrer?


In einer Gemeinschaft, die von Beständigkeit und Rhythmus geprägt ist, können Kinder sich gesund entfalten. Um ihnen darin eine verlässliche Stütze zu sein, begleitet ein Klassenlehrer die Schüler/innen nach Möglichkeit über einen längeren Zeitraum hinweg. Dabei lernt  er sie gut kennen und kann individuell auf ihre Stärken und Schwächen eingehen.


Wer war Rudolf Steiner, und was hat er mit der Waldorf- oder Steiner-Pädagogik zu tun?


Rudolf Steiner wurde 1861 in Österreich geboren und starb 1925. Er studierte Natur- und Geisteswissenschaften in Wien und gab später Goethes Naturwissenschaftliche Schriften zum ersten Mal heraus. 1919 gründete er die erste Waldorfschule in Stuttgart. Die Idee dazu ging von Emil Molt aus, dem fortschrittlich gesinnten und sozial engagierten Besitzer der Waldorf-Astoria Zigarettenfabrik, der eine Schule für die Kinder seiner Arbeiter einrichten wollte. Inhalt und Methode der Steiner-Pädagogik beruhen auf Gesetzmäßigkeiten der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Neben der Pädagogik fanden Steiners geisteswissenschaftliche Forschungen auch Eingang in die biologisch-dynamische Landwirtschaft, die Medizin und die Kunst.


Was hat es mit dem Fach Eurythmie auf sich?


Eurythmie ist eine Bewegungskunst. Im Gegensatz zur Gymnastik, die mit den physikalischen Kräften der Schwere und Leichte arbeitet, versucht die Eurythmie durch die Körperbewegung die Gesetzmäßigkeiten von Sprache und Musik ganzheitlich zum  Erleben zu bringen.


Spielen Naturwissenschaften und Computer an der Steiner Schule überhaupt eine Rolle?


An der Steiner Schule stehen die naturwissenschaftlichen Fächer gleichgewichtig neben allen anderen Unterrichtsfächern. Das Fach Informatik ist fester Bestandteil des Lehrplanes, wobei die Pädagogen Wert darauf legen, dass sich die Schüler/innen, bevor sie die virtuelle Welt kennen lernen, mit der natürlichen Weit vertraut machen und  ihre sozialen und schöpferischen Fähigkeiten an ihr entwickeln. In der  Integrativen Mittelschule ist der Umgang mit Soft- und Hardware für die  Schüler/innen eine Selbstverständlichkeit.


Was ist unter Epochenunterricht zu verstehen?


In den ersten beiden Stunden eines Schulvormittags wird das gleiche Stoffgebiet in Epochen über mehrere Wochen hinweg behandelt. Damit können sich die Schüler/innen in ein Fach richtig einleben. Am Ende einer Unterrichtsepoche werden die behandelten Inhalte «vergessen», sinken in Unterbewusstsein, wo sie weiterwirken. Mit jeder neuen Epoche keimen mit dem Erinnern auch neue Fähigkeiten auf, entsteht eine neue
Chance, «einzusteigen», sich einem Thema, einem Fachgebiet zu öffnen und die bestehenden Zusammenhänge zu erfassen.

Welche Abschlüsse können an einer Steiner Schule gemacht werden?

 

Schülerinnen und Schüler, die den Bildungsgang der Integrativen Mittelschule mit Erfolg abgeschlossen haben, erhalten das Zertifikat IMS. Nach Wahl und Befähigung können folgende Zusatzqualifikationen erworben werden:

Zusatzqualifikation IMS F:

Öffnet den Weg zum Besuch von Höheren  Fachschulen und Fachhochschulen, die den Abschluss IMS F als gleichwertige  allgemeinbildende Ausbildung anerkennen.

Zusatzqualifikation IMS B:

Erlaubt die Dispensation vom  allgemeinbildenden Unterricht und von der gewerblich-industriellen  Lehrabschlussprüfung im Fach Allgemeinbildung.

Die Integrativen Mittelschulen verfügen über langjährige Erfahrungen mit der Matur-Vorbereitung:

Über ein Drittel der Steiner-Schülerinnen und -Schüler machen die gymnasiale Matur. Nach Absolvierung der IMS sind Anschlüsse an staatliche und/oder private Gymnasien insbesondere in den Kantonen Basel-Land, Basel-Stadt, Bern, Zürich und Waadt gewährleistet. Mit einer entsprechenden Empfehlung erfolgt der Übertritt in der Regel prüfungsfrei.